Ohne Zentralheizung und ausserhalb der tropischen Wendekreise

Wie sich der Australische Winter bei uns anfühlt

Samstagmorgen! Nach fünf Tagen Arbeit in John’s Antennenfabrik habe ich vor, diesen wertvollen freien Tag früh anzugehen. Einkaufen, Wäsche sortieren, einen großen Topf Curry kochen stehen an. Aufwachen tue ich ziemlich plötzlich. Schön warm im Bett. Meine sich öffnenden Augenlider lassen etwas außergewöhnliches auf meine Netzhaut fallen. „Strahlendes Sonnenlicht!“- meldet mein Gehirn an mein Bewustsein. Meine Augen öffnen sich weiter. „Fragezeichen????“- ist das nächste, was mein Gehirn produziert. Es ihm nicht ganz klar, was die Augen da jetzt sehen. Dasjenige ist beweglich. Und weiß.
Bei jedem Atemstoß wird es neu produziert. Es ist das sich kondensierende Wasser, dass in meinem Atem vorhanden ist, und bildet substanzielle Dampfwolken vor meinem Gesicht. Mein Gehirn befiehlt meinen Augen spontan, sich wieder zu schließen, zwecks Weiterschlafens.
Nach einer Stunde werde ich von meinem Mann John geweckt. Er informiert mich über die momentane Uhrzeit und ich weiss, dass er versucht, mir zu Verstehen zu geben, dass der morgen schon weit voran geschritten ist und es doch prima wäre, wenn ich bald aufstünde und dann einen Café Latté machen könnte. Fair enough.
Die Dampfwolken vor meinem Gesicht sind aber fröhlich weiter dabei, sich zu formen. Die Luft ist soooo kalt. Da kann ich doch nicht einfach so das Bett verlassen. Es wird doch bestimmt gleich wärmer werden?
Zwanzig minuten später keine Änderung der Situation. Ich nehme all meinen Mut zusammen,rücke meine Wollmütze zurecht, schlage die drei aufeinander geschichteten Bettdecken zurück, in windeseile habe ich meine extra-dicken Wollsocken angezogen, meinen Merino-Possum Wollpulli übergestreift und darüber meine Wolljacke, die aus Nepal stammt, übergestreift. Ich gehe in die Küche. Ich schalte den Heizer ein, der strategisch neben der Spüle plaziert ist und fange an Frühstück zu machen. Naja, früh ist dieses Stück nicht mehr. Schon elf Uhr. Das ist schon ganz lange icht mehr gewesen, dass ich so spät aufgestanden bin.
Diejenigen von Euch, die unser zu Hause kennen, mögen sagen, dass das Haus, in dem wir leben für australische Gegebenheiten ein sehr einfaches ist. Und dass dazu die Türen nicht dicht schließen und ziemlich viel Zugluft unten durch lassen. Stimmt. Aber auch Häuser, die dem modernen Standard entsprechen haben keine Zentralheizung und keine Doppelverglasung. Aber ganz bestimmt eine Klimaanlage. Und wenn die/der HausbesitzerIn clever und war, hat sie/er sich eine sogenannte „reverse cycle air condition“ angeschafft. Diese Klimaanlage produziert, je nachdem wie sie eingstellt ist, entweder kalte oder warme Luft. Eine Standard-Klimmanlage ist ein Kasten, der an der Wand unterhalb der Decke hängt. Manche monetär gut ausgestattete HausbauerInnen haben sich bei der Planung ihres neuen Heimes für ein sogenannte „ducted aircondition“ entschieden. Bei diesen Leuten gibt es irgendwo im Haus eine größere Klimaanlage, die die erhitzte bzw. gekühlte Luft durch beim Hausbau installierte und in den Wänden und Bodenzwischenräumen untergebrachten Plastikrohre und -schläuche zu den sogenannten „Outlets“, den quadratischen Öffnungen in der Decke transportieren. Diese Form ist wohl die komfortabelste Version der Klimaanlagen-Heizung und kommt dem System der Zentralheizung vielleicht am nächsten.
Bei uns zu Hause gibt es keine Klimaanlage, jedoch einen kleinen eisernen Kaminofen. Wenn wir den für ein paar Stunden ordentlich einheizen, wird es auch warm in der Bude. Aber nur in unserer Wohnküche. Falls ich es einmal in einem der anderen Zimmer warm haben möchte, dann nehme ich halt den oben erwähnten Heizstrahler dort mit hinein und stelle ihn in unmittelbarer Nähe zu meinem Aufenthaltsbereich auf. Diese Methode hat übrigens einen Namen. Sie nennt sich „Personal heating“. In unserem kommunalen Wochenblatt gab es zu Beginn des Winters einen Artikel zu „personal heating“. Es wurden die verschiedenen Heizlüfter, Heizstrahler und Konvektionsheizer beschrieben. Die bewegen sich so im Bereich von 1000 bis 2400 Watt. Und es wurde erklärt, dass man diese Heizer, je nach Modell, an der Wand befestigen kann oder, in mobiler Version manchmal mit Rollen versehen praktischerweise immer dort platzieren kann, wo man sich gerade aufhält.
Summa summarum folgende Warmhalte-Möglichkeiten:

  • ducted airconditioning, um die Wärme immer da hin zu leiten, wo man sie gerade braucht
  • Klimaanlage in der Wohnküche, die Türen zu allen anderen Räumen bleiben geschlossen, dazu „Personal Heating“
  • Kaminofen in der Wohnküche, die Türen zu allen anderen Räumen bleiben geschlossen, dazu „Personal Heating“

Ich fand es sehr gewöhnungsbedürftig, das diese Heizlüfter, die ich ja eigentlich auch aus Deutschlande kenne, aber dort nur in Ausnahmesituationen eingesetzt werden da sie soviel Strom verbrauchen, hier wie täglich Brot richtig viel rumheizen.
Das verbraucht doch viel zu viel Energie! – Jedoch werden in den Stunden, die wir nicht zu Hause verbringen und die wir schlafen überhaupt nicht geheizt. Hat zwar zur Folge, das ich die Zähne zusammen beissen muss, wenn ich aus dem warmen Bett in den kalten Tag starte, aber das hält die Kosten in einem bezahlbaren Maße.
Manchmal vermisse ich „überall 21 Grad“, wie sie in Deutschland üblich sind, gewöhne mich jedoch immer mehr an die anderen Verhältnisse hier.
Mal sehen, wie viele Morgende ich noch die Dampfwolken vor meinem Gesicht antreffe, mit minus vier Grad Celsius hatten wir hier den kältesten morgen des Jahres. Wir hatten das Glück, dass wir einfach das Feuer im Kaminofen anzünden konnten, unsere Freunde Sandy und Brenton mussten erstmal warten, bis die Klimaanlage aufgetaut war, ehe sie anfangen konnte, Wärme zu produzieren. Sandy ist am Samstag noch später aufgestanden als ich 😉
Hier ein Foto von meinem persönlichem Begleiter:

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