Ein Hausbrand

Ein Abend im Winter 2012

An einem Wochenende im August bin ich in John’s Ute nach Blinman aufgebrochen, um von dort aus unsere 9 Kamele von der Sheep Station auf die örtliche Koppel zu verlegen. Die achtstündige Fahrt verlief gut, trotz heftiger Regenschauer und Dunkelheit auf dem letzten Teil der Strecke. Die Känguruhs am Straßerand waren kaum vorhanden, denen war das Wetter wohl zu schlecht.
In Blinman stand zuerst ein Besuch bei S. an. Nach Abendessen und Austausch von Neuigkeiten ging es vor den Fernseher – die finale Folge von ‚Desperate Housewifes‘ war ein wichtiges Ereignis für meine Gastgeberin. Wie unpraktisch, dass nach der ersten viertel Stunde der Strom ausfiel.

Der Strom in Blinman wird von einem Dieselgenerator erzeugt, da kann es schon mal zu Unregelmäßigkeiten kommen. Darauf ist man als Einwohner dort eingestellt, hat seine Taschenlampen und Kerzen griffbereit liegen. Die einzige Sorge gilt der tatsächlichen Dauer des Stromausfalls, bei mehr als drei Stunden fängt der angelegte Essenvorrat im Tiefkühler zu tauen…

Nach einer Minute sollte dies uns noch nicht beschäftigen, jedoch fiel P., S’s Lebensgefährten, auf, dass der Strom nicht ganz weg war, sondern eine kleine Kontroll-LED an einer Mehrfachsteckdose am leuchten war. Daraufhin ging er zu dem kleinen Sicherungkasten im Nebenzimmer und bediente dessen Schalter. Für einen kurzen Moment zeigte die Standby-Leuchte des Fernsehers Leben. Schien so, als würde der „Saft“ nicht ganz reichen. Desperate Housewifes war höchste Priorität, also wurden wir anderen angewiesen, sämtliche Strom konsumierenden Geräte zu orten und deren Stecker zu ziehen.
Der Fernseher war jedoch nach mehreren Versuchen nicht zu überreden, seinen Dienst aufzunehmen. Also legten wir noch ein Stück Holz ins Kaminfeuer und machten es uns mit ein paar Decken auf dem roten Riesensofa bequem. P. ließ die Sache mit dem Strom jedoch keine Ruhe und er machte sich auf dem Weg zum sich draußen befindlichen Hauptsicherungskasten.

Eine gefühlte halbe Sekunde später war er wieder drinnen „The Pug is on Fire !“ schrie er. Wir vier stürmten ins Freie. Der kleine Schuppen, der gerade von den beiden liebevoll restauriert wurde, war, nicht ganz offensichtlich, am brennen. Das fensterlose Gebäude hat eine Grundfläche von ca. drei-mal-fünf Metern, der Boden besteht aus flachen sehr harten Sandsteinplatten, die Wände aus Callitris-Pinienstämmen, die mit einer Art Lehm verputzt sind und einem Dach aus Wellblech. Die Hütte ist ein Schmuckstück auf S’s Anwesen, da sie sehr alt ist, ein Original aus der Pionierzeit. Auf diese Weise wurden die ersten Häuschen in der Gegend errichtet, von den wenigen Siedlern, die ihr Glück hier versuchen wollten und sich mit diesen vor Ort zu findenden Ressourcen ein Dach über dem Kopf schufen.

Die Eingangstür zu diesem Haus schloss an der oberen Kante nicht mit dem Rahmen ab, sondern hatte eine etwa sieben Zentimeter große Lücke. Diese Lücke offenbarte den einzigen Hinweis auf ein Feuer: ich konnte den Widerschein der Flammen sehen.

Nur ein paar Wochen zuvor hatte ich meinen ‚Compartment Firefighting‘-Kurs bei der freiwilligen Feuerwehr durchlaufen. Die visuellen Informationen plus der Tatsache, dass dort ein Spalt über der Tür vorhanden war, abrachten mich zu folgendem Schluss: das Feuer ist ‚fuel controlled‘-also können wir die Tür öffnen, ohne einen ‚backflash‘ befürchten zu müssen.

P. öffnete die Tür.
Boahh. Die Flammen schlugen uns nicht entgegen. Aber groß waren sie. Und sehr heiß.
Nun musste Wasser her. Aber woher?
Da gab es einen Gartenschlauch. Aus dem kein Wasser kam. Problem: der Wasserdruck wird durch eine elektrische Pumpe erzeugt. Elektrizität?! Nicht vorhanden. War ja irgendwie durch das Feuer ausgefallen.
Da stand ein großer Bottich voll Blumenwasser. Ein großer Bottich: wiegt viel.
P. hat wohl inzwischen so einiges an Adrenalin produziert. Es gelingt ihm, das meiste aus diesem Behältnis auf die Flammen zu kippen. Ein Anfang. Es gelang uns, aus diversen Wasservorräten, die S. Auf magische Weise irgendwo her zauberte, und mit Hilfe von eilig zusammen gesuchten Eimern das Feuer einzudämmen. Ich war beeindruckt, wie heiß das Feuer war. Der ‚Hauptsitz des Feuers‘ oder ’seat of the Fire‘ befand sich direkt im Eingangsbereich. Das war unser Glück. So mussten wir uns nicht durch Betreten des Gebäudes der Gefahr von herab stürzenden Gegenständen oder starkem Rauch aussetzen, sondern konnten im Türrahmen stehend die Wassereimer auf die Flammen gerichtet ausschütten. Nach einer Weile schauten wir wieder nach dem Hauptsicherungskasten, und der Strom ließ sich wieder anschalten. Somit lief auch die Wasserpumpe wieder und der Gartenschlauch eignete sich nun hervorragend zum Löschen des Feuers.
Es stellte sich heraus, dass das Sofa in Flammen aufgegangen war.
Der Untermieter, der in der Hütte wohnte, und zuvor mit uns im Haupthaus vor dem Fernseher entspannte, hatte während des ganzen Durcheinanders uns wissen lassen, wie es zu dem Feuer kam. Aus seinem spontan ausgerufenem Satz: „Die scheiß Räucherstäbchen!“ zog ich meine Schlüsse. Tatsächlich, so stellte sich heraus, hatte er ein Stäbchen mangels Räucherstäbchenhalter in eine Ritze zwischen die Polster des Sofas gesteckt, und es dort vergessen, nachdem er zum Fernsehen ins andere Haus gegangen war.

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